Wie man ein Kind zweisprachig aufwachsen lässt

Durch die zunehmende Globalisierung kommt es immer häufiger vor, dass Kinder zweisprachig aufwachsen. Entweder haben sie Eltern zweier verschiedener Sprachen oder sie wachsen in einem auch für die Eltern fremden Land auf. Dort gehen sie dann in den Kindergarten und schließen Freundschaften mit den Kindern vor Ort.

Meistens sprechen diese Kinder dann auch beide Sprachen, sowohl die Muttersprache als auch die des fremden Landes bzw. Englisch. Ich kenne Familien, die aus beruflichen Gründen nach Shanghai auswanderten und deren Kinder dort mit Kindern anderer Expats in englischsprachige Betreuungseinrichtungen gehen.

In diesem Beitrag möchte ich mich auf die erste Situation konzentrieren, d.h. die zweisprachige Erziehung von Kindern mit Eltern, die aus zwei verschiedenen Ländern kommen und somit zwei unterschiedliche Sprachen sprechen, wie das bei uns der Fall ist.

Die Familie lebt in vielen Fällen im Heimatland des einen oder anderen Partners, also eine der beiden Sprachen ist dominant.

Wir leben in Italien (Italien-spezifische Beiträge gibt es hier) und obwohl ich mit Valentino von Geburt an auf Deutsch rede, wird Italienisch seine Hauptsprache sein und wohl auch die, die er mal besser können wird. In der Kinderkrippe wird nur auf Italienisch gesprochen und sollte er auch hier im Ort auf die Schule gehen, dann ist das ebenso der Fall.

Daher ist es extrem wichtig, dass ich mit ihm auf Deutsch spreche, ihm deutsche Kinderbücher vorlese und Musik bzw. Hörbücher anbiete. Sollten wir eines Tages nach Deutschland ziehen, wird es genau umgekehrt sein. Bisher ist das noch nicht geplant, aber man weiß ja nie.

Einige meinen sogar, das Kind würde bereits im Mutterleib zwei verschiedene Sprachen unterscheiden können…

Angangs war es für mich echt merkwürdig mit so einem kleinen Wurm, der gerademal ein paar Tage alt ist, deutsche Konversationen zu führen. Er versteht doch eh nichts! Das ist doch noch viel zu früh! Auch wenn solche Gedanken aufkommen könnten, ist es nie zu früh, mit dem Baby in der eigenen Muttersprache zu reden. Einige meinen sogar, das Kind würde bereits im Mutterleib zwei verschiedene Sprachen unterscheiden können, wenn es täglich damit konfrontiert wird. Wie ds genau ist und wie überhaupt ein Kind eine Sprache erlernt, erklärt dieser Bericht.

In der Schwangerschaft mit Valentino habe ich noch nicht so viel mit ihm auf Deutsch geredet. Das kam mir alles irgendwie abstrakt vor und daher hat er sehr viel Italienisch gehört. Meine Kollegen und Freunde in unmittelbarer Nähe sind auch alle Italiener, sodass es kaum Möglichkeiten gab, ihn an die deutsche Sprache zu gewöhnen.

Erst nach der Geburt habe ich angefangen, konsequent mit ihm in meiner Muttersprache zu reden. Das war zunächst ungewohnt und seltsam, da ich vorher fast immer Italienisch in meinem Alltag gesprochen habe. Nur als ich als deutsche Copywriterin für ein Modeunternehmen arbeitete, dachte und schrieb ich wenigstens viel auf Deutsch. Aber da hatte ich noch keine Kinder, mit denen ich mich zu Hause unterhalten konnte. Dass meine Kinder zweisprachig aufwachsen, ist mir aber total wichtig. Aus diesem Grund habe ich mich angestrengt, auf Deutsch zu reden und heute ist es das Normalste auf der Welt.

Silvio spricht zwar Deutsch, denn er hat während seiner Assistenzausbildung über ein Jahr in Deutschland gelebt, wir reden aber fast ausschließlich auf Italienisch. Das hat sich so eingebürgert, da wir nun mal hier leben und dadurch mein Italienisch auch fließender ist, als sein Deutsch. Das heißt nicht, dass seine deutschen Sprachkenntnisse nicht gut genug sind, allerdings habe ich mehr Übung und einen größeren Wortschatz im Italienischen als er im Deutschen.

zweisprachig aufwachsen

Welche Regeln gibt es zu beachten?

Wenn Kinder zweisprachig aufwachsen ist es generell wichtig, dass jeder in seiner Muttersprache mit dem Kind redet. Auch wenn Silvio Deutsch spricht und versteht, sollte die Sprache, mit der er sich an Valentino wendet, Italienisch sein. Umgekehrt sollte ich nur auf Deutsch mit ihm sprechen. Somit kann das Kind genau unterscheiden, zu wem welche Sprache gehört und ist nicht verwirrt.

Außerdem wird auf diese Weise vermieden, dem Kind die Sprache „falsch“ beizubringen. Selbst wer eine Fremdsprache perfekt beherrscht, kann Fehler machen bzw. kann die Aussprache Akzent-lastig sein. Ich werde es wohl nie schaffen, dass R so zu rollen, wie es die Italiener tun. Wer weiß, ob es Valentino richtig machen wird?

Es spielt ebenso eine wichtige Rolle, konsequent und oft mit dem Kind in der eigenen Muttersprache zu reden. Als ich noch mit Valentino zu Hause war, hatte er den ganzen Tag volles Programm auf Deutsch. Nur abends gab es Italienisches Input vom Papa. Mit der Einführung in die Krippe hat sich das geändert. Nun hole ich ihn um 16 Uhr ab und bis dahin hat sein Köpfchen alles auf Italienisch eingeflößt bekommen. Lediglich die restlichen 4-5 Stunden des Tages haben wir noch zum Deutsch üben.

Zweisprachig aufwachsen – Das Ergebnis bisher…

Die kleine Maus ist jetzt 18 Monate alt und ich muss sagen, ich bin echt zufrieden mit den Fortschritten, was das Verständnis der deutschen Sprache angeht. Ob ich ihm sage: „Bringst du mir bitte mal das Buch vom kleinen Hund?“ oder ob sein Papa ihn fragt: „Mi porti il libro del piccolo cagnolino?“, er versteht beides und bringt uns das Buch mit der Geschichte des kleinen Hundes, der auf der Wiese mit seinem roten Ball spielt.

Valentino sagt zwar noch keine vollständigen Wörter oder Sätze, sondern nur Laute bzw. immer nur eine Silbe eines Wortes oder er sagt das Wort so, wie es für ihn klingt, aber er macht sich durchaus verständlich und hat schon seinen eigenen kleinen Wortschatz. Dieser besteht sowohl aus italienischen Wörtern als auch aus deutschen. Wobei er für jeden Begriff entweder die deutsche oder die italienische Variante wählt. „Schuhe“ sind z.B. „Pueh“ aber nicht „scarpe“. Zu Licht sagt er „tsche“ also „Luce“ (sprich: luh-tsche), auf italienisch. Wenn er etwas nochmal machen will, sagt er „coa“ („ancora“). Andere Wörter, die er im Kindergarten lernt, sagt er vollständig und korrekt auf Italienisch. Dabei handelt es sich um Kleinkind-Wörter, z.B. „nanna“ bedeutet „heia machen“, „la pappa“ ist das „Happa Happa“.

Vor- und Nachteile zweisprachiger Erziehung

Die Vorteile liegen für mich klar auf der Hand. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, die mit zwei Sprachen von Beginn an aufwachsen, diese besser beherrschen, als wenn sie sie erst später lernen würden. Außerdem fällt es in so jungem Alter viel leichter, Sprachen zu lernen. Es wird allerdings behauptet, dass Kinder, die zweisprachig aufwachsen, später anfangen zu sprechen. Das könnte vielleicht als Nachteil gesehen werden.

Ich finde es toll, zu sehen, wie Valentino bereits mit einem Jahr sowohl auf Deutsch als auch auf Italienisch alles verstanden hat…

Manche Eltern könnten auch befürchten, dass es das Kind verwirrt, wenn man es zweisprachig aufwachsen lässt. Komplizierter wird es auf jeden Fall, wenn es um drei oder mehr Sprachen geht. Wenn z.B. ein Elternteil bereits zweisprachig aufgewachsen ist und gerne beide Sprachen an das Kind weitergeben möchte und dazu noch die Sprache bzw. Sprachen des anderen Elternteils hinzukommen.

In Valentinos Kindergartengruppe gibt es so einen Fall. Die Eltern haben ihre Kinderärztin dazu befragt und sie sind noch immer auf der Suche nach einer Lösung. Ich finde es toll, zu sehen, wie Valentino bereits mit einem Jahr sowohl auf Deutsch als auch auf Italienisch alles verstanden hat und ich bin gespannt, wie es weitergeht, wenn er älter wird und sich richtig unterhalten kann. Ich hoffe natürlich sehr, dass er ein gutes Deutsch sprechen, daran auch Freude haben und es nicht als eine zusätzliche Aufgabe sehen wird.

Wachsen eure Kinder auch zweisprachig auf? Wie macht ihr das und welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wenn ihr weitere Tipps oder Fragen habt, kommentiert den Beitrag.

Kommentare (4)

  • Tanja

    Hallo Johanna,
    ich bin Tanja Mutter 3 wundervollen Kindern Alessandro 4 Jahre alt, Giorgia 2 Jahre alt und unser Nesthäkchen Lisa 1 Jahr alt. Bei uns läuft das auch so wie bei euch. Wir leben aber in Deutschland. Mein Mann ist halb deutsch halb italiener und ich Italienerin. Ich rede mit den Kindern auf italienisch und mein Mann auf deutsch. Da mein Mann viel arbeitet hat mein Sohn mehr italienisch gesprochen und Verstanden weil er die meiste Zeit mit mir ist . Seid er aber in den Kindergarten geht (im Sommer 1 jahr) spricht er leider nur deutsch italienisch nur wenn meine eltern zu besuch kommen aber auch nicht kontinuierlich. Er versteht beides nur äußern oder erzählen kann er mittlerweile besser auf deutsch. Ich rede zwar immer wieder mit ihm auf italienisch und antworte auch so aber er kennt oft die Wörter nicht. Er spricht oft auch italienische Sätze nach wie im deutschen. Z. B “ich bin fertig” “io sono finito”. Dadurch ist ver sich unsicher wie er etwas sagen soll (man sieht wie er überlegt) Ich merke auch das er viele Wörter im italienischen benutzt die er in seinem Alltag (Kindergarten) nicht oft erwähnt und zu Hause mehr z. B Treppen um nach Hause zu kommen müssen wir die Treppen hoch da sage ich immer “dai sali le scale” Im Kindergarten sind keine Treppen deswegen wird das nie erwähnt und ist sich nicht sicher wie im italienischen . Mit seinen Geschwister redet er auch deutsch. Giorgia spricht mehr italienisch aber Tag für Tag höre ich mehr deutsche Wörter heraus. Ich merke das Alessandro sicherer mit der deutschen Sprache ist. Ich werde trotzdem weiterhin mit ihm italienisch sprechen damit er das nicht aus dem gehör verliert . LG aus Nordrhein-Westfalen.

    Antworten

    • Bambini Belli

      Hallo Tanja,

      Mein Baby, das nächsten Monat geboren werden soll, wird auch Alessandro heißen. 🙂

      Ich kann das Problem mit dem Italienisch gut verstehen. Ich habe von vielen Eltern gehört, dass die Sprache des Landes, in dem man lebt, immer vorrangig sein wird. Du machst es aber richtig, weiterhin mit ihm auf Italienisch zu sprechen. Wenn er älter ist und vielleicht auch mehr Interesse daran hat, wird er schnell alles aufholen.

      Ich merke auch bei Valentino, dass er mehr Italienisch spricht als Deutsch. So ist „Eis“ zum Beispiel für ihn „gea“ (gelato), obwohl ich immer nur Eis sage. Frage ich ihn: möchtest du ein Eis? Dann antwortet er „gea“.

      Ich finde, es ist wichtig, dass die Kinder zumindest den Kontakt zur Sprache nicht verlieren und dass sie das meiste verstehen. Darauf können Sie dann im weiteren Leben aufbauen.

      Also immer schön weiter auf Italienisch sprechen und nicht entmutigen lassen. Vielleicht findest du ja auch Sprachkurse oder Gruppen in deiner Nähe, in der du mit den Kindern andere Italiener in Deutschland treffen kannst. Eine französische Freundin von mir macht das so hier in Mailand. Jeden Samstag geht sie zum Sprachkurs mit den Kindern, wo sie schon ganz viele andere französische Eltern kennen gelernt hat.

      Liebe Grüße,
      Johanna.

      Antworten

  • Chris Hiles

    We have a toddler who is now 20 months old.
    I’m English and my wife is German and we live in Bavaria (we lived in Italy for 12 years, so we speak Italian also!)
    We follow the same strategy, which is well-documented as being extremely successful, of both speaking to our son, Neo, in our mother tongue, though we speak mostly English with each other.

    He already has a very large vocabulary, and knows almost everything in both languages.
    Unfortunately almost every word he actually says is some variation of “duh-dooh”!

    Neo is very verbal and we find it hilarious when he confidently says something like “duh-duwee”, fully expecting one or both of us to understand exactly what he requires.
    We are not in the least concerned about his apparent lack of speech development, as he is very talkative (there are a myriad of “duh-dooh” variations!) and his comprehension is extremely advanced in both languages.

    We challenge him all the time with words and questions, but he is never under pressure to perform.
    We are both enjoying this phase of his development and are almost disappointed that his “baby talk” will soon be over!

    Antworten

    • Bambini Belli

      Hi Chris,

      That’s awesome to see how they understand and speak two different languages at the age of 20 months. My son is almost 20 months old, too. He learns new words every day. There are variations of “ka” and “ke” in our case. 😉
      Keep on teaching him English and German.

      Antworten

Füge einen Kommentar hinzu.