Ernährung und Sozialverhalten von Kindern | Die Auswirkung bestimmter Lebensmittel

“Gea, Gea” oder neuerdings auch “Eis, Eis” ruft Valentino mit strahlenden Kinderaugen, wenn ich an den Gefrierschrank gehe. Gelato gehört zu seinen Lieblingsspeisen. Damit ist er bestimmt nicht alleine. Alle Kinder lieben Süßes. Doch was, wenn der Verzehr von Süßigkeiten und ungesunden Snacks zu groß wird? Studien behaupten, dass Ernährung und Sozialverhalten von Kindern im nahen Zusammenhang stünden. Nicht nur physische Veränderungen, sondern auch psychische Störungen können bei Kindern, die täglich Süßigkeiten essen, auftreten.

Außer raffinierter Zucker werden auch andere Inhaltsstoffe angeklagt, Aggressivität und Hyperaktivität in Kindern auszulösen. Dazu gehören Farbstoffe, der synthetische Süßstoff Aspartam, Monosodiumglutamat und Koffein, was in vielen Getränken vorhanden ist.

Die Ernährung unserer Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Alles, was man sich wünschen kann, ist vorhanden. Man muss es nur kaufen. Werbung und TV-Spots kreieren diese Wünsche nach bestimmten Nahrungsmitteln. Vor allem bei Kindern hat das eine große Wirkung. Doch besonders Snacks für Zwischendurch und Süßigkeiten enthalten oft die oben genannten Inhaltsstoffe.

Mit dem zunehmenden Angebot an solchen Nahrungsmitteln ist auch die Zahl an Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) gestiegen. Angeblich soll es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Sozialverhalten von Kindern geben.

Ernährung und Sozialverhalten von Kindern – Die wissenschaftliche Erklärung dahinter

Studien haben bewiesen, dass es einen bedeutenden Zusammenhang zwischen Verdauungssystem und Gehirn gibt. Das allein lässt schon vermuten, welchen Einfluss schlechte Ernährung auf die Psyche hat. Raffinierter Zucker stellt eine wesentliche Rolle in aggressivem Verhalten dar. Glukose-Tolleranz-Tests in hyperaktiven Kindern haben gezeigt, dass fast 75% aller untersuchten Kinder Anomalien in der Glukose-Kurve aufweisen. Und mit verantwortlich für diese Anomalien ist wiederum raffinierter Zucker.

Aber auch Farbstoffe und andere künstliche Zusatzstoffe sollen eine Verantwortung beim Krankheitsbild ADHS haben. Bei einer weiteren Studie wurde 200 Kindern für 6 Wochen lang eine Diät ohne künstliche Farbstoffe verabreicht. In 150 von ihnen beobachteten die Eltern eine Verbesserung im Verhalten. Außerdem traten die Symptome erneut auf, sobald diese Stoffe wieder eingeführt worden sind.

Mangel an Mikronährstoffen

Es wurde festgestellt, dass die Zufuhr von Mikronährstoffen die Symptome von ADHS verbessern soll. Eisen, Zink, Magnesium und andere Vitamine stehen in Bezug zur ADHS-Symptomatik. Diese Ergebnisse können auch in wissenschaftlichen Publikationen auf Pubmed nachgelesen werden.

So ist Vitamin B1 sehr wichtig für die Energiezufuhr der Neuronen im Gehirn. Bei Erwachsenen hat man beobachtet, dass die Zufuhr dieses Vitamins die Stimmung und die Gehirnleistung erhöht. Lebensmittel mit viel Vitamin B1 wie Vollkornprodukte stehen normalerweise nicht auf dem Speiseplan von Kindern. Hingegen werden Süßigkeiten und andere Dinge bevorzugt, die den Bedarf an Vitamin B1 nur noch erhöhen.

Eine weitere große Bedeutung soll Tryptophan spielen. Aus dieser Substanz wird Serotonin gebildet. Dieses wiederum spielt eine Rolle bei der Regulierung der Stimmung und für das Sozialverhalten. Ein Mangel an Serotonin kann aggressives Verhalten hervorrufen. Das haben Wissenschaftler der Universität Aachen herausgefunden.

Der Zusammenhang mit Allergien

Es muss nicht unbedingt die Diagnose ADS oder ADHS vorliegen. Aber wenn ein Kind Störungen aufweist wie aggressives Verhalten oder Konzentrationsschwierigkeiten, kann dies auch an einer möglichen Allergie gegen bestimmten Lebensmitteln liegen. Daran denken die meisten Eltern nicht.

Liegt beispielsweise eine Kuhmilch-Allergie vor, muss der Körper viel Energie aufwenden, um gegen die Milch “anzukämpfen”. Diese überschüssige Energie lässt das Kind durch sein Verhalten ab. Das kann dann auch in aggressivem Verhalten enden. Mehr dazu kann hier nachgelesen werden.

Ernährung und Sozialverhalten von Kindern

Schokolade macht Kinder aktiver?

In meiner ersten Schwangerschaft habe ich einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht. Ich kann mich erinnern, dass uns gesagt wurde, während der Stillzeit auf Schokolade zu verzichten. Sie enthalte eine gewisse Menge an Koffein, die Unruhe und Schlaflosigkeit im Neugeborenen verursache. Ich selbst habe zwar keinen besonderen Unterschied bemerkt. Aber eine Freundin von mir meint, ihr Kind sei wirklich aktiver gewesen, wenn sie Schokolade gegessen hat. Angesichts dessen, was die Wissenschaftler zum Thema Ernährung und Sozialverhalten von Kindern sagen, kann da tatsächlich was dran sein.

Zu viel Zucker in zu vielen Lebensmitteln

Kinder lieben normalerweise Süßigkeiten. Deshalb besteht auch immer die Gefahr, zu viel Zucker zu sich zu nehmen. Sarah von Mamaskind hat neulich ein Projekt mit ihrem Sohn dazu gemacht. Gemeinsam haben sie anaylsiert, wieviel Zuckerstückchen in bestimmten Lebensmitteln steckt. In 30g Ketchup sind 2 Stück Zucker enthalten. Dafür, dass es sich um keine Süßigkeit handelt, ist das echt viel. Und 5 Cookies enthalten ganze 10 Stück! Aber auch gesunde Lebensmittel wie Bananen enthalten viel Zucker. In einer einzigen stecken 6 Stück Würfelzucker. Den gesamten Beitrag findet ihr hier.

Wenn man Süßigkeiten und Co. selbst macht, kann man immerhin den Zuckergehalt kontrollieren. Bei Kuchen und Keksen verwende ich immer eine geringere Menge Zucker, als die im Rezept angegebene. Der Vorteil ist außerdem, dass man weiß, was im Kuchen drin ist. Farb- und Konservierungsstoffe werden dadurch vermieden.

Gesunde Ernährung auch ohne Verhaltensstörungen

Ohnehin ist es einfach gesünder, auf gewisse Lebensmittel zu verzichten und andere einzuführen. Die gesunde Ernährung unserer Kinder sollte uns unabhängig von deren Verhalten am Herzen liegen.

Liegt aber eine Diagnose von ADHS oder anderen Verhaltensauffälligkeiten vor, macht es Sinn, einmal den Ernährungsplan zu analysieren. Außerdem kann ein Allergietest eventuell helfen, das Problem zu verstehen.

Valentino ist zwar nicht aggressiv und weist auch sonst keine Defizite auf. Aber nachdem ich für diesen Beitrag recherchiert habe, möchte ich mich noch mehr bemühen, ihm gesunde Snacks anzubieten. Die italienischen Kinder machen nach dem Mittagsschlaf immer die sogenannte Merenda. Das kann entweder ein Marmeladenbrot, ein Joghurt oder Obst sein. Aber auch Kuchen, Eis und abgepackte Snacks. Gerade im Sommer möchte der Kleine immer öfter Eis haben. Ich achte dabei schon darauf, dass ich kein Eis mit zuviel Zucker oder am besten Bio kaufe. Aber das sicherste ist immer noch selber machen. Deshalb habe ich gerade Formen bestellt, mit denen ich selber Eis am Stiehl machen kann. Einfach Fruchtpüree, Joghurt oder was auch immer man möchte hineingeben und ab in den Gefrierschrank. Ist gesünder und gar nicht so schwer.

Ansonsten ist Obst natürlich ein super Snack. Ganz unabhängig vom Zusammenhang zwischen Ernährung und Sozialverhalten von Kindern. Es ist vitaminreich, hat einen geringeren Zuckeranteil als Süßigkeiten und unterstützt die Verdauung. Mein Kind isst leider nur wenig Obst. Ich habe es schon mit allerlei Tricks versucht. Einen Beitrag dazu findet ihr auch hier. Erst in letzter Zeit entwickelt Valentino ein minimales Interesse für Aprikosen, Bananen und Pflaumen.

Welche Essgewohnheiten hat euer Kind? Könnt ihr Veränderungen im Verhalten feststellen, wenn gewisse Nahrungsmittel weggelassen/hinzugefügt werden?

Kommentare (2)

  • Stephanie

    Das Kinder eine Vorliebe für Süßes aufweisen ist völlig normal. Man bedenke nur was Babys als erstes zu sich nehmen : Muttermilch. Die ist von Natur aus süß. Da Süßes beruhigend und nährend is,t bleibt den meisten von uns die Vorliebe für süßes ein Leben lang erhalten. Unverarbeitetes Obst, Getreide (ja, auch das ist gekocht süß) und süße Gemüse wie Möhren sind daher in der Ernährung von Kindern (und Erwachsenen) eine gute Grundlage um die Lust nach süßem zu stillen. Kinder die nicht von Beginn an an süßen Industriezucker gewöhnt werden, nehmen das auch meist sehr gut an. Datteln, Bananen, Trockenfrüchte…alles das sind Vitamin – und zum Teil auch Serotoninreiche Varianten – die nicht nur Kinder gut tun. Serotonin muss aber auch in der Lage sein, die Blut Hirn Schranke zu überwinden. Das kann weder das Serotonin aus der Banane noch aus der Schokolade. Viel effektiver ist es da Lebensmittel zu sich zu nehmen, die Tryphtophan enthalten. Daraus kann der Körper – in Verbindung mit B-und C- Vitaminen, Zink, Magnesium und Omega 3 Fettsäuren- Serotonin dann selbst synthetisieren.
    Besonders ein Magnesiummangel und ein Vitamin-B6-Mangel beeinträchtigen die Synthese von Serotonin.
    Daher ist Ernährung immer als großes Ganzes zu betrachten. Den einen Auslöser gibt es meist nicht.

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    • Bambini Belli

      Hallo Stephanie,
      Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Es ist wirklich interessant, wie die verschiedenen Stoffe miteinander in Verbindung stehen und was sie bewirken.
      Ganz liebe Grüße,
      Johanna.

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