Die Geburt unseres zweiten Kindes – Herzlich Willkommen Alessandro!

Ich schließe die Augen und konzentriere mich auf den Schwall frischer Luft, der mir durch das Autofenster ins Gesicht weht. In Gedanken bin ich irgendwo am Meer. Da kommt wieder eine Welle. Keine Wasserwelle. Eine Wehen-Welle. Ich denke an meine Freundin, die mir empfohlen hat, mich bei der Geburt nicht auf den Schmerz zu fixieren, sondern an etwas anderes zu denken. “Konzentriere dich auf die Atmung”, hat sie mir außerdem geraten. Diese Tipps versuche ich gerade umzusetzen. Das Navigationssystem zeigt eine Viertelstunde bis zum Ziel an. Zum Glück ist es Sonntag Früh um 6 Uhr und niemand auf der Straße. Als wir endlich am Ziel ankommen, verspüre ich eine enorme Erleichterung.

Am Sonntag ist unser zweites Kind eine Woche früher als geplant auf die Welt gekommen. Die Wehen begannen schon am Nachmittag zuvor. Da ich aber schon lange vorher hin und wieder mal ein Drücken verspürte, habe ich dem keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt. Erst am Abend wurde das Drücken dann doch ein bisschen schmerzhaft. Es war eindeutig, dass die Geburt nur noch kurz bevorsteht.

Auch diesmal ohne PDA

Alessandro war ein sehr schnelles Baby. Eine halbe Stunde nachdem wir im Krankenhaus angekommen waren, war er schon da. Es war auch diesmal schmerzhaft, aber es hat nicht so lange gedauert wie beim ersten Mal. Deshalb habe ich alles gar nicht als so schlimm empfunden. Wir haben auch diesmal wieder ohne PDA entbunden. Lange hatte ich noch überlegt, ob ich nicht eine entspannte und schmerzfreie Geburt möchte oder doch lieber ganz ohne medizinische Hilfsmittel. Ich hatte mich auch über alles informiert, was den Schmerz auf irgendeine Art und Weise lindern kann. Oder wie man zumindest mit ihm umgeht.

Das richtige Atmen spielt bei der Geburt eine große Rolle. Die Hebammen raten nicht umsonst zum kontrollierten Atmen und sagen, wie man Luft holen oder hecheln soll. Zum einen denkt man an etwas anderes und ist abgelenkt, wenn man sich auf die Atmung konzentriert. Zum anderen entspannt sich die Muskulatur durch das richtige Atmen.

Auch die Position war bei mir sehr wichtig. Ob auf allen Vieren, im Stehen oder Liegen. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Aber es ist gut möglich, dass die Wehen in einer Position besser auszuhalten sind als in einer anderen.

Letztendlich wäre sowieso gar keine Zeit mehr für eine PDA gewesen. Die ganze Arbeit habe ich schon zu Hause erledigt. Im Krankenhaus ging es nur noch um die letzte Phase der Geburt. Der Kleine war schon komplett bereit zum Rauskommen, als wir ankamen.

Geburt - zweites Kind ist da

Warum wir so spät im Krankenhaus angekommen sind

Für das zu späte Ankommen im Krankenhaus gibt es einen Grund. Am Abend zuvor habe ich gespürt, dass der Kleine bald raus möchte. Für diesen Moment war alles organisiert. Der Babysitter für Valentino war gefunden. Eine Erzieherin des Kindergartens hat sich bereit erklärt, sich bei der Geburt um ihn zu kümmern. Ihr Vertrag mit der Krippe lief Ende Juni ab und deshalb kann sie bei uns auch privat arbeiten. Sie wohnt nur zwei Straßen weiter. Wie praktisch.

Ich habe ihr also Samstag Abend geschrieben, dass es bald losgehen könnte. Das Dumme war nur, dass die Nachricht nicht übertragen wurde. Ihr Handy war also ausgeschaltet. Als nach zwei bis drei Stunden immer noch nichts gesendet wurde, habe ich mit einer lieben Freundin telefoniert. Sie hat mir angeboten, Valentino gegebenenfalls zu ihr zu bringen. Auch mitten in der Nacht. Ich war so dankbar. Aber trotzdem machte ich mir Sorgen, wie Valentino darauf reagieren würde. Mein Plan war eigentlich, ihn schlafen zu lassen, damit er gar nichts mitbekommt. Die Babysitterin würde zu uns kommen und für Valentino würde die Nacht wie gewohnt weiter laufen. Ohne dass er merkt, dass wir nicht da sind.

Ehrlich gesagt, hätte ich da noch nicht erwartet, dass wir wirklich schon in der Nacht wegfahren müssen. Erst als ich um 1.30 Uhr aufwachte und alles viel deutlicher wurde, kamen mir die Zweifel. Vielleicht ist doch nicht mehr ganz so viel Zeit übrig. Verschlafen schaute ich auf mein Handy. Gott sei Dank! Virginia hat geantwortet. “Ja, ok. Ich lasse mein Handy an.”. Na dann ist ja alles klar.

Allerhöchste Eisenbahn

Um 4.30 Uhr beschloss ich, dass es Zeit ist, ins Krankenhaus zu fahren. Ich griff zum Telefon, um Virginia anzurufen. Es klingelt… einmal, zweimal, dreimal,… Anrufbeantworter. Vielleicht braucht sie nur etwas Zeit, um wach zu werden. Also probieren wir es nochmal und nochmal und nochmal… Als beim ungefähr 20. Mal immer noch keiner abnimmt, überkommt mich eine leichte Panik. Meine Freundin hat mir zwar angeboten, Valentino zu sich zu bringen, aber ich war mir echt nicht sicher, wie er darauf reagieren würde. Schließlich war es ja noch mitten in der Nacht und ich würde ihn aus dem Schlaf holen, woanders hinbringen und alleine dort lassen. Sicher würde er weinen und auch für meine Freundin würde das alles gar nicht einfach werden.

Da die Babysitterin nur 2 Minuten von uns entfernt wohnt, ist Silvio direkt zu ihr gegangen und hat an der Haustür geklingelt. Nichts. Keiner machte auf. Und was jetzt? Als Silvio wieder zu Hause war, sagte ich ihm nur noch, er solle Valentino nehmen und zu unseren Freunden bringen. Ich gab ihm noch ein T-Shirt und eine Hose mit und verabschiedete die beiden. In dem Moment wollte ich nur noch so schnell wie möglich los. Die Geburt unseres Sohnes stand unmittelbar bevor.

Geburt - zweites Kind

Schnelle Geburt und große Freude

Da war es ungefähr 5.30 Uhr. Eine halbe Stunde später sind wir im Krankenhaus angekommen und noch eine gute halbe Stunde später war Alessandro schon da. Eine wahre Blitzgeburt. Das es so schnell geht, hätte ich mir nicht träumen lassen. Überglücklich und heilfroh, dass alles gut gegangen ist, lag ich im Kreißsaal auf dem grün bezogenen Bett und hielt mein Kind im Arm. Silvio schickte ich erstmal los, uns einen Cappuccino und Hörnchen an der Bar des Krankenhauses zu besorgen (Cafeteria bedeutet in Italien Bar, nicht zu verwechseln mit Bars im deutschen Sinne).

Zum Glück hält uns unsere Freundin mit Bildern und Nachrichten über Valentino auf dem Laufenden. Ich bin so erstaunt, denn mein Kind lacht und spielt mit dem Sohn unserer Freunde. Es geht ihm richtig gut und er scheint uns überhaupt nicht zu vermissen. Ich hatte ihn wirklich unterschätzt, was das allein sein angeht. Valentino machte das richtig gut. Aber vor allem bin ich unseren Freunden dankbar, die in letzter Sekunde unseren Großen genommen haben und ihm noch dazu einen so ereignisreichen Vormittag beschert haben. Nach einem Frühstück beim Viridea Gartencenter sind sie mit ihm noch ins Schwimmbad gegangen. Da haben wir richtig Glück gehabt.

Zwei ganz unterschiedliche Babys

Alessandro ist bisher ein ganz ruhiges Baby. Er weint kaum, schläft viel und scheint auch sonst ganz zufrieden zu sein. An relativ wenig Schaf bin ich schon gewohnt. Deshalb fällt es mir auch gar nicht so schwer, ihn nachts zu stillen. Ich nehme ihn einfach aus dem Babybay zu mir und stille ihn direkt im Liegen. So oft wird er auch gar nicht wach. Ich muss echt sagen, bisher ist der Kleine wirklich pflegeleicht.

Mein erstes Baby war da deutlich anspruchsvoller. Vielleicht hat Valentino damals auch unsere Unsicherheit als frisch gebackene Eltern gespürt. Oder es ist einfach nur der Charakter. Jedenfalls konnte man Valentino anfangs nicht einfach so hinlegen. Er wollte viel getragen werden und brauchte jede Menge körperliche Nähe. Wie verschieden doch Geschwister sein können.

Eine interessante Erklärung liefert dieser Artikel. Zweitgeborene lernten demnach schon von Anfang an, die Eltern zu “teilen”. Sie hätten daher keine zu große Angst, sie zu verlieren. Aus diesem Grund seien die Zweiten auch ruhiger.

Geburt zweites Kind - erster Tag zu Hause

Der perfekte große Bruder

Valentino hat bisher noch keine großen Eifersuchtsszenen gebracht. Im Gegenteil, er nennt seinen kleinen Bruder liebevoll “Do” und möchte ihm immer über den Kopf streicheln. Dabei sagt er dann “ei”. Total süß!

Die erste Reaktion im Krankenhaus war eher Neugier. vor allem gefiel Valentino die Wiege mit Rädern, die man so schön durch den Krankenhausflur schieben konnte. Als wir nach Hause kamen und ich Valentino aus dem Kindergarten abgeholt habe, lief er sofort zu Alessandro und betrachtete ihn mit einem Lächeln im Gesicht. Das war echt unglaublich. Er stand einfach nur da und schaute seinen kleinen Bruder an. Hin und wieder zeigte er auf ihn und sagte “Do”.

Klar, hin und wieder lässt er ein wenig Eifersucht durchblicken. Zum Beispiel, wenn ich den Kleinen stille. Dann möchte er auch auf meinen Arm. Nehme ich ihn dann hoch, ist aber alles gut. Ich bin so stolz auf mein großes Baby. Er macht das alles richtig toll.

Familienleben zu viert

Während wir vorher ein Paar mit Kind waren, sind wir jetzt eine richtige Familie. Valentino hat zwar noch nicht so viel von dem kleinen Bruder. Er kann ja noch nicht mit ihm spielen. Aber in ein paar Monaten oder spätestens in einem Jahr können sich die beiden gemeinsam beschäftigen. Ich kann es kaum erwarten, die beiden interagieren zu sehen. Endlich hat Valentino einen Spielkameraden, der ihn ständig begleitet.

Der geringe Altersunterschied der beiden Brüder ist für die Kinder wirklich positiv. Für uns Eltern wird es sicherlich anstrengend. Aber für die Jungs ist es das Allerbeste. In ein paar Wochen wird Alessandro auch aktiver und anspruchsvoller. Er wird mehr Körperkontakt und Unterhaltung verlangen. Ich bin gespannt, wie es wird.

Viele Eltern fühlen sich mit der Ankunft eines weiteren Kindes so richtig wohl. Ein schöner Bericht über das Familienleben zu viert kommt von Camilla auf Mummy Mag. “Ich liebe unser Familienleben einfach noch einmal so viel mehr” und “dieses zweite Kind ist so cool, ich kann es nur allen Eltern ans Herz legen, noch einmal ins kalte Wasser zu springen”. Das sind ihre Aussagen, die ich nur bestätigen kann.

Wie war eure Geburt und die Heimkehr? Schreibt gerne einen Kommentar unter den Beitrag.

Kommentare (2)

  • Jenny

    Liebe Johanna,
    herzlichen Glückwunsch noch mal zur Geburt eures zweiten Sohnes! Wie schön, über deinen Blog einen Einblick in dein Leben in Italien zu bekommen. 🙂
    Ich habe gerade richtig mitgefiebert, als ich gelesen habe, was du über die Gedanken zur Betreuung des ersten Kindes während der Geburt geschrieben hast. Ich war auch so nervös je näher der Termin rückte. Meine Schwiegermutter sollte auf unseren Großen aufpassen, sie konnte aber erst eine Woche vor Termin kommen. Wenn das erste Kind schon etwas eher kam, rechnet man beim zweiten mit noch mehr Beeilung. Und auch wenn wir auch einen Plan B hatten, war meine Nervosität vor Ankunft der Schwiegermutter kaum auszuhalten.
    Die Geburt empfand ich bei meiner Tochter dann viel gelassener, dass man so genau weiß, was kommt, hilft enorm. Ich hatte auch einen Yogakurs vorab gemacht, das hat mir unheimlich geholfen.
    Und das erste Aufeinandertreffen der frisch gebackenen Geschwister war etwas kühl, auch mir gegenüber war der Große zuerst reserviert. Aber er ist total schnell aufgetaut. Jetzt ist mein Babymädchen schon ein gutes Jahr alt und ich merke, dass der Große sie immer mehr annimmt und als Kameradin akzeptiert, je mobiler sie wird. All meine Ängste über Ablehnung und Schwierigkeiten haben sich bisher nicht bestätigt und ich bin so dankbar zu sehen, wie diese beiden sich lieben. 🙂
    Ich wünsche euch alles Liebe zur viert! Es wird sicher super klappen mit deinen beiden Jungs.
    Viele Grüße aus Berlin!

    Jenny

    Antworten

    • Bambini Belli

      Hallo Jenny,

      Wie schön, dass du meinen Blog verfolgst. 🙂
      Ich muss sagen, ich war auch viel entspannter als ich erstmal im Krankenhaus ankam und meinen Großen in guten Händen wusste. Vor der Geburt an sich hatte ich gar nicht mehr so viel Angst. Wie du schon sagst, man weiß ja was auf einen zukommt. Es ging auch alles so schnell, dass ich gar keine Zeit hatte, großartig darüber nachzudenken.
      Dass Valentino mit Alessandro in ein paar Monaten auch einen Spielgefährten haben wird, denke ich auch. Dann wird vieles sicher einfacher.
      Ganz liebe Grüße,
      Johanna.

      Antworten

Füge einen Kommentar hinzu.